Schutz der Bäume

Immer stärker rückt in den letzten Jahren das Thema Baumschutz in den Fokus. Die Medien greifen zunehmend das Thema auf und in manchen Städten wurde auf öffentlichem Raum gar ein Slackline-Verbot ausgesprochen. Dadurch ist aber auch das Bewusstsein der Leute hinsichtlich der Wichtigkeit dieses Themas gestiegen und die meisten Slackliner verwenden heutzutage auch Baumschütze.

Die Frage, welchen Durchmesser der Stamm eines Baumes aufweisen soll, um eine Slackline daran zu befestigen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Dies kommt hauptsächlich auch auf den jeweiligen Baum an. Bäume mit dünner Borke sind verletzungsanfälliger als solche mit einer dicken Borke. Diese Borke, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Rinde bezeichnet, ist die natürliche Schutzschicht des Baumes und schützt diesen vor physikalischen Einflüssen wie Temperatur, Sonne, Feuer wie auch mechanischen Einflüssen und dient zur Abwehr von Schädlingen und Infektionen. Unter der Rinde verläuft das Kambium, die Wachstumsschicht des Baumes. Wird bei einem Baum mit dünner Rinde diese verletzt, ist das Kambium nicht mehr geschützt. Bei einem Baum mit dicker Rinde liegt das Kambium so tief, dass es kaum mehr beschädigt werden kann. Manche Bäume wie die Buche oder Birke haben eine sehr glatte, aber nur dünne und damit empfindliche Rinde, während beispielsweise Eichen oder Föhren eine dicke und stark strukturierte Rinde haben. Die Rinde kann im Normalfall einiges vertragen. Wird sie aber stärker verletzt, können Pilze oder andere Krankheitserreger in den Baum eindringen und diesen im schlimmsten Falle absterben lassen.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird bedauerlicherweise meist das deutlich sichtbare, leichte Abplatzen dickborkiger Rinde als gravierender angesehen als kaum sichtbare Verletzungen an Bäumen mit dünner Rinde. Aus diesem Grund liegt es neben dem eigentlichen Schutz der Bäume auch im Eigeninteresse jedes Slackliners, auch keinesfalls sichtbare Spuren zu hinterlassen.

Einwirkungen durch Slacklines

Durch Slacklines wirken mehrere Arten von Belastungen auf die Bäume. Dies sind einerseits der Druck auf die Rinde, die Reibung, die verursacht wird, wenn sich die Baumschlinge bewegt, und die absolute Zugbelastung. Die Druckbelastung kann vor allem durch den Durchmesser der Bäume und die Breite der Baumschlinge variiert werden. Je breiter die Baumschlinge ist, desto weniger schneidet sie in die Rinde ein. Deshalb sollte man beim Kauf unbedingt darauf achten, dass die Baumschlinge genügend breit ist. Empfehlenswert sind Breiten von fünf Zentimetern oder mehr.

Druckbelastung

Die Bedenken, dass ein Baum wegen der Druckbelastung durch die Baumschlinge nicht mehr wachsen kann oder gar abstirbt, sind größtenteils unbegründet, wie folgende Berechnung zeigt.

Nehmen wir an, es handelt sich um einen Baum mit einem kreisrunden Stamm von 30 Zentimetern Durchmesser. Der Umfang beträgt also 94 Zentimeter und als Vereinfachung nehmen wir an, dass sich der Druck regelmäßig auf eine Seite des Baumes, also auf 47 Zentimeter verteilt. Der Druck wird also auf eine Fläche von 5 cm x 47 cm = 235 cm² verteilt.

An dieser Baumschlinge wird nun eine extrem hart gespannte Jumpline befestigt, bei welcher Spitzenbelastungen von 10 kN (resp. 1000 kg) auftreten. Pro Quadratzentimeter wirkt also eine Kraft von 1 000 kg/235 cm² = 4,3 kg. Anders ausgedrückt wirkt eine solche Kraft auf den Baum, wie wenn man mit einer Fingerkuppe mit 4,3 Kilogramm dagegen drücken würde. In der Druckeinheit bar ausgedrückt wären dies 4,3 bar, also der Druck, der auf einen Taucher in 43 Metern Tiefe wirkt (der atmosphärische Druck von 1 bar wirkt ja sowohl auf die Baumrinde als auch auf den Taucher – eigentlich wirken in dieser Tiefe 5,3 bar). Bei einer schmalen Baumschlinge von 2,5 Zentimetern Breite würde sich der Druck auf die Baumrinde verdoppeln.

Selbstverständlich ist ein Baum in den wenigsten Fällen kreisrund und der Druck ist nicht homogen über die ganze Fläche verteilt. Für den Baum ist es aber nicht entscheidend, wenn an einzelnen Stellen aufgrund des mechanischen Drucks der Wasser-/Nährstofftransport nicht mehr funktioniert (was bei den Belastungen, die beim Slacklinen wirken, kaum vorkommt). Viel wichtiger für den Baum ist es, dass diese Blockade nicht vollständig ist, was bei einer Slackline ja auch nie der Fall ist. In Seilparks werden aus diesem Grund bei der Befestigung von baumumfassenden Stahlseilen einzelne Holzstücke unterlegt.

Reibung

Der gesamte Bereich der Schlinge sollte mit einem Schutz unterlegt sein

Ein Baumschutz hilft bezüglich Druckverteilung nur sehr gering, da dessen Steiffigkeit nicht dazu ausreicht, den Druck zu verteilen. Baumschütze sind vor allem dazu da, um Reibung zwischen der Rinde und der Baumschlinge zu verhindern, da diese Reibung die Rinde im schlimmsten Falle abschaben kann.

Reibung kann auf zwei Arten entstehen: Im Bereich, an dem die Baumschlinge den Kontakt zur Rinde verliert, bewegt sich die Baumschlinge durch die vertikalen Bewegungen der Slacklines (v. a. bei Jumplines) nach unten und oben.

Teilweise können auch Schäden durch Scherung auftreten, wenn die Slackline mit einem Ankerstich am Baum befestigt wird (bei allen 2-teiligen Sets!) oder die Baumschlinge nicht perfekt zum anderen Baum ausgerichtet ist und unter Belastung zurecht gezogen wird. Insbesondere im Frühling ist das Kambium der Bäume extrem wasserhaltig, was die mechanische Belastbarkeit dieser Schicht verringert.

Als Baumschutz wird meistens eine teppichähnliche Matte verwendet. Es gibt natürlich auch bei den Baumschützen stark unterschiedliche Modelle – wichtig ist aber vor allem, dass die Schutze lang genug (im Normalfall gleich lang wie die Baumschlinge) sind. Baumschütze schützen aber nicht nur die Bäume selbst, sondern schonen auch die Baumschlingen. Wenn man die Baumschlinge beispielsweise an einem Metallpfeiler anbringt, würde diese ohne Baumschutz ziemlich schnell durchscheuern.

Vorsicht! Viele Hersteller verkaufen Baumschütze, die lediglich 1 Meter lang sind! Aldi hat dies mit einem 60cm langen Baumschutz sogar noch getoppt. Dies würde nicht einmal für einen Baum mit 20cm Durchmesser ausreichen... Unsere Baumschütze sind 240cm lang und können hier bestellt werden.

Junge Bäume und Richtlinien

Natürlich sollte man es speziell vermeiden, junge Bäume zu verwenden. Gerade wenn diese frisch gepflanzt wurden, sind die Wurzeln noch nicht so gut verankert und halten den Kräften viel weniger gut stand. Besonders groß gepflanzte Bäume mit einem bereits dicken Stamm brauchen oft viel länger, bis sie gut im Boden verwurzelt sind (5–10 Jahre!). Dasselbe gilt für Bäume, die in Sandböden oder sehr lockerem Erdbereich (Fruchtbäume auf dem Acker) stehen. Verschiedene Städte haben Richtlinien für Mindestdurchmesser der Bäume, welche fürs Slacklinen verwendet werden dürfen, herausgegeben. Die Angaben variieren meist zwischen 30 und 40 Zentimetern. Dabei sollte aber unbedingt noch beachtet werden, dass Longlines ziemlich weit oben am Baum und meist auch mit größeren Kräften als bis 15 kN aufgespannt werden können. Bei solchen Slacklines ist es wichtig, dass der Baumstamm noch einen deutlich größeren Durchmesser aufweist (mindestens 50 cm). Bei Beachtung dieser Grundregeln ist das Slacklinen ohne Beschädigung der Bäume möglich. Diese Grundregeln sollten aber bitte immer eingehalten werden, um die Bäume zu schützen und vor allem auch um die Akzeptanz des Slacklinens zu erhöhen. Und schlussendlich sägt man ja sprichwörtlich am eigenen Ast (Slacklinebaum), wenn man den Bäumen nicht Sorge trägt.

Baumschutz-Richtlinien der Stadt Zürich

Info-Broschüre / Positionspapier des Slackline-Verbands Schweiz "Baumschutz beim Slacklinen"

Baumschutz-beim-Slacklinen-2012 (2.0 MB)